Einige kritische Gedanken
vorweg
Die folgenden Punkte sollen
nicht die Freude am "eigenen" Nachwuchs nehmen. Aber gerade, wenn
man Tiere züchtet, sollte man sich der Verantwortung, die man trägt,
bewußt sein. Nur allzuoft nehme ich bei mir Jungvögel auf, mit denen
die Besitzer aus Platzmangel oder Unverträglichkeit nicht mehr zurecht
kamen, und für die ich dann wiederum ein neues, dauerhaftes Zuhause suchen
muss. Die meisten Agapornidenarten gelten bei vielen Züchtern (möglicherweise
zu Unrecht?) als "Einsteigervögel", da sie sich in Gefangenschaft
gut vermehren und die Zucht auch für einen Anfänger in den meisten
Fällen nicht allzu schwierig erscheint. Tatsächlich kommt es oftmals
vor, daß die Vögel, so man denn ein echtes Pärchen besitzt,
in Brutstimmung geraten und (befruchtete) Eier legen - mit oder, wenn`s unbedingt
sein muß, auch mal ohne Nistkasten. Man sollte sich aber einiger Tatsachen
bewußt sein bevor man eine Brut zuläßt.
- Zur Zucht von Papageienvögeln,
also auch zur Zucht von Agaporniden, benötigt man eine amtliche Zuchterlaubnis,
die man erst nach erfolgreich bestandener Prüfung inkl. Besichtigung
der Räumlichkeiten durch den Amtstierarzt erhält. Erst dann kann
man auch Ringe zur Kennzeichnung der Nachzucht (ist ebenfalls gesetzlich vorgeschrieben)
erwerben. Zur Zucht zählt bereits das Zulassen einer einzigen Brut, auch
wenn man die Jungtiere behalten möchte. Erst mit der Zuchtgenehmigung
kann man die zur Kennzeichnung der Nachzucht gesetzlich vorgeschriebenen Fußringe
zu erwerben. Anhand der Ringe ist es möglich, die Papageien ihr ganzes
Leben lang sicher zu identifizieren zu. Beim Verkauf von Papageien werden
sowohl Ringnummern als auch Anschrift der neuen Besitzer vom Zoohändler
oder Züchter in einem Nachweisbuch notiert. So ist es zum einen immer
nachvollziehbar, ob es sich bei den Vögeln um Nachzuchten oder Wildfänge
handelt, zum anderen weiß man stets welchen Weg ein Vogel bislang zurück
gelegt hat. So lässt sich z. B. im Seuchenfall (Psittakose = Papageienkrankheit)
verfolgen, zu welchen anderen Vögeln das Tier bislang Kontakt hatte.
Entkommt ein Vogel aus dem Käfig und wird andernorts wieder eingefangen,
kann man bei lückenloser Buchführung anhand der Ringnummer, den
Vogelbesitzer wieder ausfindig machen.
- Ein Agapornidenpärchen
kann auf einen Schlag bis zu 6 Nachkommen großziehen, die, sobald sie
flügge werden, unter Umständen heftigst von den Eltern verjagt werden.
Der Platzbedarf für die Tiere steigt explosionsartig an. Kommt man diesem
Platzbedarf nicht nach, oder kann man die Jungtiere nicht von den Eltern abtrennen,
ist der Ärger vorprogrammiert. Jedes der Jungtiere begibt sich sehr früh,
spätestens aber mit Erreichen der Geschlechtsreife auf die Suche nach
einem gegengeschlechtlichen und nicht verwandten Partner. Rein rechnerisch
ergibt sich daraus letztendlich eine Tierzahl von 14 Tieren (7 Pärchen),
für die man sehr viel Platz benötigen würde. Geschwister als
Pärchen zusammen zu halten oder zusammen weiter zu geben ist keine gute
Idee, denn oft stimmt die Geschlechterzusammensetzung nicht, aus einem Gelege
schlüpfen ungerade Tierzahlen.
- In der Regel sollen die
Jungtiere, wenn sie alt genug sind, abgegeben werden. Dabei gestaltet sich
die Suche nach neuen Besitzern möglicherweise schwieriger als erwartet.
Besonders Rosen- und Schwarzköpfchen werden in so großer Zahl nachgezogen,
so daß der Markt zum Teil schon gesättigt erscheint. Gibt man die
Tiere in den Zoohandel, hat man keinerlei Kontrolle mehr über das zukünftige
Zuhause der Vögel.
- Auf der Suche nach neuen
Besitzern bleibt es eine Gewissensfrage, ob man die Vögel nur zu zweit
(Geschwistertiere - Inzuchtgefahr bei eigener Brut!), zu einem bereits vorhandenen
Vogel oder in Einzelhaltung abgibt. Ich möchte an dieser Stelle nochmals
betonen, daß die Einzelhaltung von Vögeln nicht artgerecht ist
und in keinem Falle toleriert werden kann, auch nicht wenn der Vogel dringend
abgegeben werden muß.
- Bei Jungtieren ist es
ohne DNA-Analyse sehr schwer, das Geschlecht zu bestimmen. Sollen Tiere abgegeben
werden, stellt sich aber sehr oft gerade diese Frage, denn es sollen schließlich
neue, harmonierende Paare zusammengestellt werden.