Jawoll

Bezüglich Farbenpracht und Temperament sind Agaporniden unschlagbar. Sprechen lernen sie allerdings nicht. Auch mit der Zahmheit ist es nicht so weit her, denn ein Partner der eigenen Art ist ihnen allemal lieber als ein Mensch.
Unzertrennliche benötigen dafür nicht ganz so viel Platz wie ihre großen Kollegen. In einer Zimmervoliere und beim Freiflug in der Wohnung bieten sie ein Schauspiel an Flug- und Kletterkunst sowie an Spielfreude. Als "Liebesvögel" demonstrieren sie, was es heißt, jeden Tag 24 Stunden lang füreinander da zu sein.

Unterschiedliche Temperamente

Robust und recht leicht zu halten sind die Rosenköpfchen, Schwarz- und Pfirsichköpfchen. Sie werden in großer Zahl nachgezüchtet und sind für den Einsteiger in der Vogelhaltung geeignet. Bei den vielen Farben, die die Zucht hervorgebracht hat, ist bestimmt für jeden Geschmack das Richtige dabei. So gibt es neben den wildfarbenen Tieren auch blaue, gelbe, gescheckte, mauve- und zimtfarbene und sogar violette Vögel.
Rosen-, Schwarz- und Pfirsichköpfchen gleichen sich in Statur, Lautstärke und Temperament. Für welche Art man sich als Einsteiger entscheidet ist, demnach reine Geschmacksache.
Bei ausreichendem Platzangebot lassen sich diese Arten in kleinen Schwärmen halten. Die einzelnen Pärchen sollten trotzdem aus Vögeln der gleichen Art bestehen. Von der Vergesellschaftung mit anderen Vogelarten ist bei Rosen-, Schwarz- und Pfirsichköpfchen wegen ihrer Streitsucht generell abzuraten.

Zu den nicht ganz so häufig nachgezogen Agaporniden gehören Ruß- und Erbeerköpfchen. Bei Züchtern und Haltern scheinen sie nicht ganz so beliebt wie die drei erstgenannten Unzertrennlichen, möglicherweise weil es hier bislang nur wenig Farbvarianten gibt. Dabei besitzen sie nicht zu übersehende Vorteile, so die etwas leisere Stimme und die höhere Friedfertigkeit. Ruß- und Erdbeerköpfchen stellen ähnliche Anforderungen wie Rosen-, Schwarz- und Pfirsichköpfchen. Ihre Haltung ist daher theoretisch auch für Anfänger möglich. Es sollte allerdings unbedingt bedacht werden, dass es unter Umständen bei solchen selteneren Arten einmal viel Zeit und Mühe kosten kann, für einen Einzelvogel wieder einen passenden Partner zu finden!

Für die scheuen Erdbeerköpfchen kommt außerdem nur Volierenhaltung in Frage kommt und ihre Nachzucht gelingt meist nur erfahrenen Züchtern. Die Volieren-Gemeinschaftshaltung mit anderen Kleinvögeln und Sittichen funktioniert bei Ruß- und Erdbeerköpfchen oft erstaunlich gut.

Grauköpfchen, Orangeköpfchen und Tarantas stellen höhere Anforderungen an ihren Pfleger. Ihre Nachzucht gelingt bei weitem nicht so oft wie bei den erstgenannten fünf Arten. Aus diesem Grund sind sie nur bei spezialisierten Züchtern zu finden und dem Einsteiger in der Vogelhaltung nicht zu empfehlen.

Das "Dream-Team"

Nie allein: Wie alle Papageien benötigen auch Unzertrennliche einen Partnervogel so nötig wie die Luft zum Atmen. Allein gehalten. entwickeln die Tiere die verschiedensten Verhaltensabweichungen und -störungen wie Aggressivität, Schreien, Rupfen oder dauerndes Eierlegen.
Das ideale Pärchen besteht aus zwei Vögeln, Hahn und Henne, der gleichen Art. Denn nur dann ist eine reibungslose Kommunikation zwischen den Partnern gewährleistet - eine der Vorraussetzungen für ein harmonisches Miteinander.
Gleichgeschlechtliche Vögel können sich zwar arrangieren, aber oftmals enden solche Gemeinschaften früher oder später in Streitereien, vor allem, wenn es sich um Weibchen handelt.

Das Geschlecht bestimmen

Männchen und Weibchen der Rosen-, Schwarz-, Pfirsich-, Russ- und Erdbeerköpfchen sind gleich gefärbt und äußerlich nicht voneinander zu unterscheiden. Oft zur Geschlechtsbestimmung herangezogene Merkmale wie Beinstellung, Schwanz- oder Kopfform oder der Beckentest (hierbei werden die Beckenknochen abgetastet) sind mehr als unsichere Kriterien, die öfter in die Irre führen.
Geschlechtsabhängige Verhaltensmerkmale wie das Füttern oder Begatten eines Partnervogels oder das Sammeln von Nistmaterial geben Hinweise, leider jedoch auch keine 100%ige Sicherheit. Um solches Verhalten richtig deuten zu können braucht man daher neben Erfahrung auch Vergleichsmöglichkeiten.
Die einzig sichere Methode zur Geschlechtsbestimmung ist die Untersuchung der Erbsubstanz (DNA-Analyse). Eine solche Untersuchung, für die man entweder Federmaterial oder einen Blutstropfen benötigt, bieten mittlerweile viele Tierärzte, bzw. Fachlabore an.

Agaporniden und Recht

Bei fast allen Unzertrennlichen, die man hierzulande erweben kann, handelt es sich um Nachzuchten. Wildfänge aus Afrika gibt es - wenn überhaupt - nur noch bei den selteneren Arten. Sie regelt das Washingtoner Artenschutzübereinkommen, welches alle Agaporniden-Arten in Anhang B listet. Anhang B beinhaltet die Arten, deren Ein- und Ausfuhr auf Antrag hin noch erlaubt werden kann. Eine sogenannte CITES-Bescheinigung, wie sie früher verlangt wurde, ist heute für Tiere das Anhanges B nicht mehr nötig.
Egal, ob Import oder Nachtzucht - nach der geltenden Psittakose-Verordung (Tierseuchengesetz) müssen Papageien, egal welcher Art, mit offen oder geschlossenen Fußringen beringt, sein. Eine zusätzliche Anmeldepflicht bei der Naturschutzbehörde über die Haltung besteht bei Rosen-, Schwarz-, Pfirsich-, Rußköpfchen und Tarantas nicht mehr, wohl aber bei Erdbeer-, Orange- und Grauköpfchen.

Das richtige Alter beim Kauf

Unzertrennliche sind ab einem Alter von etwa 8 Wochen selbständig und können von ihren Eltern getrennt werden. Bereits in diesem Alter finden sich die Tiere ansatzweise zu Pärchen zusammen, jedoch sind solche Jugendfreundschaften selten stabil. Erst ab einem Alter von etwa sechs bis neun Monaten - mit Beginn der Geschlechtsreife - begeben sich die meisten Unzertrennlichen ernsthaft auf die Suche nach dem Partner fürs Leben. Geschwistertiere gehen dann eigene Wege und suchen sich nicht verwandte Partner. Gleichgeschlechtliche Freundschaften gehen zugunsten gegengeschlechtlicher Partner auseinander.